Eine kleine Corpsgeschichte
Das Corps Teutonia wurde am 1.7.1870 als schlagende Landsmannschaft Hercynia an der Militärrossarztschule zu Berlin mit den Farben Blau-Weiß-Gold gegründet. Die Gründungsmitglieder sind alles ehemalige Mitglieder nichtschlagender Verbindungen, die sich zusammengetan haben, um Mensuren zu fechten. Erster Senior (Vorsitzender) wird Leo Köhring. In Erinnerung seiner Taten wird später für kurze Zeit ein Löwe ins Wappen aufgenommen. 1872 Umbenennung in Feronia und Fusion mit der Landsmannschaft Feronia. 1874 Gründung des Blauen Kartells mit der Landsmannschaft Hannoverania an der Tierärztlichen Hochschule in Hannover. 1878 Wechsel zur Königlichen Tierarzneischule, und deswegen 1880 Umbenennung in Teutonia. Neuer Wahlspruch: "Amico pectus - hosti frontem" (Dem Freund die Brust, d
em Feind die Stirn).
Auf Bitten des Kösener Corps Teutonia von 1880 bis 1886 Umbenennung in Neo-Teutonia. 1883 Gründungsmitglied des Rudolstädter Senioren Convents (RSC), einem Zusammenschluss von Verbindungen an Tierärztlichen Hochschulen. Nach längerer Diskussion erfolgt 1902 die Umwandlung in ein Corps, da man den Prinzipien der Corps seit langem verbunden war. Ab dem Jahre 1903 werden Studenten aller Fakultäten aufgenommen. Der 1. Weltkrieg bringt einen Rückschlag für das Corps, da viele Corpsbrüder in den Krieg ziehen.
Zum Glück hatte der Krieg keine allzu große Lücke geschlagen, da die meisten unserer Alten Herren Veterinärmediziner und somit im Sanitätsdienst waren. In der Folgezeit begann eine Blütezeit für das Corps, welches damals in der Invalidenstr. 29 eine Corpswohnung unterhält. Durch zahlreiche Spenden der Alten Herren kann am 14.7.1929 das Haus in der Bismarckstr. 19 (heute Sarrazinstr. 19) erworben werden. Probleme treten mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten auf. Am 1.7.1934 erfolgt die Fusion mit dem Corps Baltia, wobei die Baltenfarben (Blau-Gold-Weiß) übernommen werden.
Am 25.3.1934 werden die RSC Corps in den WSC (Weinheimer Senioren Convent), den Dachverband der technischen Corps, aufgenommen. Am 1.7.1935 wird das ehemaligen Corps Hasso-Borussia Frankfurt(M) aufgenommen. Am 1.7.1936 erfolgt die Auflösung des Corps unter Druck des Nazi-Regimes. Kurz zuvor hatte sich bereits der WSC aufgelöst. Das Corpshaus wird enteignet und zum SA-Mannschaftsheim. Ein weiterer schweren Schlag ist der Bombenangriff vom 1.3.1943, bei dem unser Haus mehrere Treffer erleidet. Die Brände können zum Glück gelöscht werden. Das Türmchen über dem Erker geht a
ber dabei verloren und das Dach wird nur notdürftig geflickt. Nach dem Angriff werden ausgebombte Familien aus der Nachbarschaft bis zum Kriegsende einquartiert.
Nach dem Kriegsende ist das Haus Offizierskasino der amerikanischen Streitkräfte. 1951 erfolgt die Rückgabe des Corpshauses durch die Alliierten. Das Corps wird erst am 10.10.1952 rekonstituiert. Die ersten Chargen sind zwei Alte Herren und der Corpsbursch Janssen (von Hannoverania). Durch die Annahme der alten Farben Blau-Weiß-Gold am 10.10.1952 scheiden die Balten aus dem Corps aus.
CB Janssen wird aufgrund einer gefochtenen Mensur die Immatrikulation an der Freien Universität verweigert. In einem Prozess vor dem Verwaltungsgericht wird er rehabilitiert, nachdem die Mensur vom Bundesgerichtshof als Sport anerkannt wurde. Bis zum Jahre 1967 wird die erste Etage des Corpshauses an andere Verbindungen untervermietet. In dieser Etage wohnen zeitweilig das Corps Saxo-Borussia, die Landsmannschaft Marchia (heute in Osnabrück) und das Corps Cimbria. Am 14.2.1970 werden ein Großteil der Mitglieder des Corps Gotonia aufgenommen.
Aufgrund der langen gemeinsamen Zeit auf dem Hause kommt es am 4.7.1970 zur Fusion mit dem Corps Cimbria. Das Corps führt seit der Fusion den Namen "Corps Teutonia, Corps der Cimbern und Teutonen" und die Chargierten tragen das Cimbernband als Traditionsband.
In diese Zeit fällt auch der Abriss des Wintergartens und der Bau der kleinen Kneipe mit dem Mitteltresen. Der Kneipsaal der Cimbern wird zum Paukraum umgebaut. Im Jahre 1998 erfolgte dann ein großer Umbau des Corpshauses. Beim Umbau wurden unter dem Putz noch alte Kriegsschäden entdeckt, wodurch die oberen zwei Etagen komplett neu errichtet werden mussten.
Durch den Umbau stehen jetzt insgesamt sieben Aktivenzimmer zur Verfügung und der Zukunft blicken wir ohne Sorgen entgegen.